…übers Jahr… – Naturbetrachtungen eines LandEi’s
von Petra Schneider
Erich Kästner schrieb die „13 Monate“ – seinen Gedichtzyklus, der 1955 auch als Buch erschien, damals „als Großstädter für Großstädter“. Diesen Auftrag von einer Zeitung sollte er nun monatlich liefern. Nur: natürlich nicht den Mai im Mai, den Oktober im Oktober. Nein, sechs Wochen im Voraus arbeiten war angesagt! Er schaute sich „Brehms Tierleben“ und ein Pflanzenbuch für Inspirationen an, so steht es im Vorwort geschrieben.
Ich mag diese Gedichtsammlung sehr und dachte oft darüber nach, wie man wohl etwas so gut beschreiben kann, wenn man es gerade gar nicht sieht oder erlebt! Kästner, als Städter, hat dieses Problem gehabt und sich mit Nachschlagen beholfen. Denn, obwohl wir die Monate, die Jahreszeiten, den Lauf des Jahres oft und immer wieder erleben, schlägt man nicht nur das Kalenderblatt um, wenn der Monat geht, man scheint auch das Erleben der gerade vergangenen Tage und Ereignisse in die Truhe zu stecken…bis zum nächsten Jahr!
Nein, ich messe mich nicht an Kästner! Zumal beim aufmerksamen Lesen klar wird, dass der Anteil an Naturbeschreibung nicht unbedingt das Hauptmerkmal seiner Texte ist. Er beschreibt eher so eine Art Monatscharakter. Und trifft damit genial.
Gedichte sind meine eigene Sache nicht. Aber das Jahr zu umreißen, in Monatsschritten, aus meiner eher ländlichen Sicht heraus, das möchte ich hier versuchen. Und dem geneigten Leser wünschen, sich mit eigenen Augen neu umzusehen, dabei vielleicht wieder ein wenig genauer wahrzunehmen, zu erinnern oder zu vergleichen, mit der eigenen, vertrauten Umgebung.
Nun bin ich weder Försterin noch Jäger, weder Straßenbauer noch berufliche Gärtnerin. Mein Blick ist subjektiv und eventuell sogar eng, verglichen mit wirklichen Draußenleuten.
Doch das Zeichnen hat meine Wahrnehmung verändert, die Augen schauen aufmerksamer, Stimmungen erreichen mich eher. Die hier beschriebenen zeitlichen Abfolgen im Jahreslauf und auch die Flora können und werden je nach Standort beim jeweiligen Leser variieren. Mein Wohnort in 450 m Höhe üNN im nördlichen Thüringen ist Basislager meiner Betrachtungen.
Ein möglichst wertfreies Schauen und Beschreiben versuche ich, fast immer. Nostalgie oder Drama sind meine Sache nicht.
Kann sein, der Klimawandel galoppiert schon bald über mein Jahresbild hinweg,mit seinen apokalyptischen Reitern. Und das schneller, als man beschreiben kann. Die Ohnmacht angesichts dieser deutlich spürbaren Veränderungen auch in der kultivierten Natur und im Garten macht mich oft beklommen. Doch soll dieses Buch keine Mahnschrift sein. Dafür hab ich zu sehr meine Freude an dem was ich erlebe und sehe. Die möchte ich gern teilen. Kleine Kalenderblätter beschreiben Aktuelles aus dem Jahr 2026, in dem das Buch weitgehend geschrieben ist.
Die Lust am Zeichnen nimmt in diesem Kalendarium noch mehr Platz ein als in den vorherigen Büchern. Und so ganz ohne Kochrezepte komm ich auch nicht aus.
So hoffe ich, den Spaß, den ich beim Schauen, Schreiben und Zeichnen hatte, gut zwischen die Seiten gepackt zu haben!
…das man das Buch mit dem jeweiligen Monatsbild quer aufstellen kann, haben Sie bestimmt schon selbst entdeckt…


